Bridge & Bloom Coaching für ADHS, Autismus & Neurodiversität

Unterstützen, ohne ständig zu kontrollieren

Die Grenze zwischen Unterstützen und Übernehmen verläuft nicht bei einer bestimmten Handlung, sondern bei der Frage, wem die Aufgabe danach gehört. Eine brauchbare Prüffrage lautet: Lernt mein Kind dadurch etwas, das es beim nächsten Mal selbst kann — oder lernt es, dass ich es übernehme? Dieser Beitrag beschreibt Kriterien für diese Unterscheidung und wie sich Verantwortung schrittweise zurückgeben lässt, ohne dass alles zusammenbricht.

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Warum die Frage so schwer zu beantworten ist

Weil beide Antworten stimmen können.

Ein neurodivergenter junger Mensch braucht oft mehr Unterstützung als Gleichaltrige — und länger. Gleichzeitig entsteht die Fähigkeit, etwas selbst zu tun, nur durch Üben. Wer beides ernst nimmt, sitzt in einem echten Dilemma, nicht in einem Erziehungsfehler.

Die Frage lautet deshalb nicht „Helfe ich zu viel?”, sondern: Wem gehört die Aufgabe, wenn ich fertig bin?

Eine brauchbare Prüffrage

Lernt mein Kind durch meine Hilfe etwas, das es beim nächsten Mal selbst kann — oder lernt es, dass ich es übernehme?

Beides ist manchmal richtig. An einem Tag, an dem nichts mehr geht, ist Übernehmen die richtige Antwort. Problematisch wird es, wenn die Ausnahme zur Regel wird, ohne dass jemand es bemerkt.

Woran sich Übernahme erkennen lässt

  • Sie wissen mehr über die Abgabetermine als Ihr Kind.
  • Sie erinnern an dieselbe Sache zum wiederholten Mal, und beide sind darüber wütend.
  • Sie haben Zugang zu Konten, Portalen oder Postfächern, die eigentlich nicht Ihre sind.
  • Wenn Sie zwei Wochen wegfielen, bräche sichtbar etwas zusammen.
  • Sie merken, dass Sie einen Termin mehr fürchten als Ihr Kind.

Der letzte Punkt ist oft der deutlichste. Wenn die Sorge bei Ihnen größer ist als bei der Person, um die es geht, ist die Verantwortung bereits gewandert.

Vier Stufen statt eines Sprungs

„Ab jetzt machst du das selbst” funktioniert selten. Was eher trägt, ist eine schrittweise Rückgabe — und zwar bei einer Sache, nicht bei allen gleichzeitig.

  1. Ich mache es, du siehst zu. Und ich sage laut, was ich tue und warum.
  2. Wir machen es zusammen. Du führst, ich bin daneben.
  3. Du machst es, ich bin erreichbar. Auf Nachfrage, nicht ungefragt.
  4. Du machst es. Wir schauen hinterher gemeinsam drauf, wenn du willst.

Der dritte Schritt ist der schwerste, weil dort das Aushalten anfängt. Er ist auch der, an dem die meisten abbrechen.

Der Teil, den niemand gern hört

Rückgabe von Verantwortung heißt, dass Dinge schiefgehen dürfen.

Wenn nichts schiefgehen darf, gibt es keine Rückgabe — dann gibt es nur Aufsicht mit freundlicherem Namen. Die Frage ist also nicht, ob etwas misslingt, sondern welche Fehler Sie sich leisten können.

Ein vergessener Abgabetermin in der zehnten Klasse ist eine andere Größenordnung als ein verpasster Anmeldeschluss für die Lehrstelle. Diese Unterscheidung dürfen und sollen Sie treffen. Sie ist kein Kontrollverlust, sondern eine Entscheidung.

Was sich zusätzlich ändern lässt

Nicht jede Unterstützung ist eine Handlung. Manchmal wirkt Struktur mehr als Erinnerung:

  • Vereinbarte Zeitpunkte statt spontaner Nachfragen. „Sonntag um sechs schauen wir zusammen auf die Woche” ist etwas anderes als dreimal täglich „Hast du schon?”
  • Sichtbarkeit statt Kontrolle. Ein gemeinsamer Kalender an der Wand ist keine Überwachung.
  • Die Umgebung ändern statt die Person. Manches wird leichter, wenn ein Gegenstand woanders liegt — nicht, wenn jemand sich mehr anstrengt.

Und wenn Sie merken, dass Sie längst zu viel tun?

Dann ist das keine Anklage. Es ist meistens das Ergebnis davon, dass jemand über Jahre eingesprungen ist, weil es sonst niemand getan hätte.

Der Ausweg ist nicht, alles auf einmal loszulassen — das ist für beide Seiten zu viel. Es ist, an einer Stelle anzufangen und auszuhalten, dass es dort eine Weile schlechter läuft, bevor es besser wird.

Wo diese Stelle bei Ihnen liegt und was Sie brauchen, um das auszuhalten, lässt sich nicht allgemein beantworten. Wenn Sie darüber sprechen möchten, schreiben Sie mir.

Der nächste Schritt

Ein kostenloses Kennenlerngespräch von 20 bis 30 Minuten. Bringen Sie gern eine konkrete Situation mit, die sich diese Woche wiederholt hat.

Dieser Beitrag ist allgemein gehalten und ersetzt keine individuelle Abklärung, Beratung oder Behandlung. Was in einer konkreten Situation sinnvoll ist, lässt sich nur im Einzelfall klären.

Verfasst von Fatmatu Jalloh. Zuletzt aktualisiert am .

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Das Kennenlerngespräch dauert 20 bis 30 Minuten, ist kostenlos und unverbindlich. Wir klären, worum es dir geht, wie ich arbeite und ob Coaching für deine Situation das Richtige ist. Es ist ausdrücklich keine kostenlose Coaching-Sitzung.

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