Von Schule zu Lehre oder Studium: Fragen vor dem nächsten Schritt
Vor dem Übergang nach der Schule wird meist zuerst gefragt, was einen interessiert. Für neurodivergente Jugendliche und junge Erwachsene ist das oft die falsche erste Frage: Nach meiner Erfahrung entscheidet häufiger die Umgebung darüber, ob jemand durchhält. Dieser Beitrag sammelt die Fragen, die im Coaching weiterhelfen, und sagt klar, wo die Zuständigkeit einer offiziellen Berufsberatung beginnt.
Warum „Was interessiert dich?” oft nicht weiterführt
Es ist die Standardfrage, und bei vielen funktioniert sie. Bei anderen erzeugt sie vor allem Druck.
Wer keine klare Antwort hat, fühlt sich dadurch nicht orientierungslos, sondern defizitär. Und wer eine hat, hat damit noch nicht die eigentliche Information: ob die Umgebung, in der dieses Interesse ausgeübt wird, zu ihm passt.
Was mir in der Praxis begegnet: Ausbildungen und Studiengänge scheitern selten daran, dass das Fach falsch war. Häufiger daran, dass die Rahmenbedingungen nicht tragbar waren — der Lärm, das Tempo, die ungeschriebenen Regeln, die fehlende Struktur oder die zu enge Struktur.
Die Fragen, die weiterführen
Zur Umgebung
- Bei welcher Lautstärke kann ich noch denken?
- Brauche ich einen festen Ablauf oder erdrückt mich einer?
- Wie viel Kontakt mit fremden Menschen pro Tag ist machbar?
- Kann ich Pausen nehmen, wenn ich sie brauche, oder nur zu festen Zeiten?
- Wie viel Unvorhersehbarkeit verträgt mein Tag?
Zur Anforderung
- Was fällt mir leicht, ohne dass ich es besonders finde? Das ist oft die brauchbarere Spur als das, was ich mag.
- Wo war ich schon einmal über längere Zeit dabei, ohne dass es mich ausgelaugt hat?
- Was kostet mich unverhältnismäßig viel Kraft, auch wenn ich es kann?
Zum Format
- Schule mit festem Stundenplan oder Betrieb mit wechselnden Aufgaben?
- Viel Theorie am Stück oder abwechselnd praktisch?
- Große Gruppe oder kleines Team?
- Prüfungen mündlich oder schriftlich — und was davon ist für mich das Schlimmere?
Zur Realität
- Was ist zu den Fristen, die gelten, überhaupt erreichbar?
- Was lässt sich vorher ausprobieren — Schnuppertage, ein Gespräch, ein Tag mitlaufen?
- Was passiert, wenn es nicht funktioniert? Gibt es einen Weg zurück oder weiter?
Die letzte Frage wird selten gestellt und nimmt oft am meisten Druck. Ein Weg, der auch scheitern darf, lässt sich leichter gehen als einer, der sitzen muss.
Ausprobieren schlägt Nachdenken
Man kann eine Umgebung nicht durchdenken. Man kann sie betreten.
Ein Tag in einem Betrieb liefert mehr brauchbare Information als drei Wochen Grübeln — nicht über das Fach, sondern über alles andere: wie es riecht, wie laut es ist, wie mit einem gesprochen wird, wie erschöpft man abends ist.
Deshalb ist im Coaching der Schritt nach dem Sortieren nicht die Entscheidung, sondern der Test. Und danach die Auswertung: Was davon war die Sache, was war der Tag, was war die Umgebung?
Was hier nicht stattfindet
Das ist keine offizielle Berufsberatung.
Für Zugangsbedingungen, Anschlusslösungen, Anmeldefristen, Anrechnungen und Finanzierungsfragen gibt es zuständige Fachstellen, die diese Dinge verbindlich kennen und laufend aktuell halten. Wenn es darum geht, gehört es dorthin, und ich sage das auch.
Was hier stattfindet, ist die Arbeit davor und daneben: herausfinden, was passt, wie man das prüft, und wie man mit einer Entscheidung umgeht, nachdem sie getroffen ist.
Für Eltern
Der Zeitdruck in dieser Phase ist real, und die Sorge auch. Gleichzeitig ist es die Phase, in der Übernehmen am teuersten ist: Die Fähigkeit, den nächsten Übergang selbst zu bewältigen, entsteht genau hier — und es kommen weitere.
Praktisch heißt das oft, Fragen zu stellen statt Antworten zu liefern, und auszuhalten, dass die Antwort länger braucht, als der Kalender erlaubt.
Der nächste Schritt
Du musst nicht wissen, was du willst. Das ist eher der Anlass als die Voraussetzung. Das Kennenlerngespräch dauert 20 bis 30 Minuten und ist kostenlos.
Dieser Beitrag ist allgemein gehalten und ersetzt keine individuelle Abklärung, Beratung oder Behandlung. Was in einer konkreten Situation sinnvoll ist, lässt sich nur im Einzelfall klären.
Verfasst von Fatmatu Jalloh. Zuletzt aktualisiert am .
Herausfinden, ob es passt
Das Kennenlerngespräch dauert 20 bis 30 Minuten, ist kostenlos und unverbindlich. Wir klären, worum es dir geht, wie ich arbeite und ob Coaching für deine Situation das Richtige ist. Es ist ausdrücklich keine kostenlose Coaching-Sitzung.